Liebe! Ein Aufruf

Welche Rolle kann die Liebe als politische Kategorie in einer Zeit von Hass und Hetze, von Kampf und Krieg und gegenseitigem Unverständnis spielen?
Dieser Frage geht Daniel Schreiber in seinem jüngsten Buch Liebe! Ein Aufruf nach. Schreiber denkt über eine Gesellschaft nach, in der sich der Ton verändert, in der Herabwürdigung, Grausamkeit und Hass schon lange nicht mehr nur an den politischen Rändern sichtbar zutage treten, sondern zunehmend in die Mitte des gesellschaftlichen Lebens hineinwirken. Was auf politischen Bühnen vorgemacht wird, bleibt nicht folgenlos. Es prägt unsere Sprache, Beziehungen und die Art, wie wir einander grundlegend betrachten und begegnen. Dabei steht auch die schleichende Gewöhnung im Zentrum seiner Überlegungen. Die Vorstellung, all das sei inzwischen normal.
Im ersten und längsten Teil seines Buches stellt der Autor seine Überlegungen in eine Denktradition, in der sich unter anderem Albert Schweitzer, Hannah Arendt, Martin Luther King, Erich Fromm und bell hooks mit der Bedeutung von Liebe, Verantwortung und menschlicher Verbundenheit auseinandergesetzt haben. Dieser Teil des Textes befasst sich damit, wie diese über die Liebe als politische Kategorie nachdachten.
Im zweiten Teil ruft er zu einer radikalen Freundlichkeit und zur Liebe auf, die für den Autor selbst große politische Bedeutung hat. Damit meint er nicht eine Art naive Freundlichkeit und verklärte Liebe, die Konflikte vermeidet und Missstände übersieht. Eher spricht er von einer bewussten Entscheidung für Anstand, Mitgefühl und Empathie, gerade dort, wo Misstrauen und Verachtung den öffentlichen Raum bestimmen.
Schreiber ruft dazu auf, dem Verfall unseres Miteinanders mit klarem Blick zu begegnen und die zunehmende Entmenschlichung nicht als unvermeidliche Begleiterscheinung unserer Zeit hinzunehmen. Er erinnert uns daran, dass wir als demokratische Zivilgesellschaft, nicht machtlos sind. Denn Veränderung beginnt nicht erst auf der großen politischen Bühne. Sie beginnt in unseren Beziehungen, in der Familie, unter Freund*innen, in der Nachbarschaft und im Umgang mit Menschen, die uns fremd oder politisch entgegengesetzt sind. Die Welt ist auch ein Spiegel dieser Beziehungen und wir gestalten sie Tag für Tag mit.
Liebe. Ein Aufruf ist ein leiser, politischer Weckruf gegen Gewöhnung und Untätigkeit. Denn nicht nur Hass kann ansteckend sein. Auch Anstand, Empathie und Nächstenliebe können sich ausbreiten. Und anfangen, müssen wir immer bei uns selbst.
Liebe! Ein Aufruf Daniel Schreiber Hanser Berlin Verlag



